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Text der Kurzpredigt

Liebe Gemeinde,

was wir zurzeit erleben, ist so noch nie dagewesen. In allen Krisenzeiten seit 2000 Jahren hat es in den christlichen Gemeinden immer mehr Gottesdienste gegeben als weniger. Gerade in schwierigen Zeiten versammelt sich die Gemeinde, so war es immer: Andachten und gemeinsame Gebete unterstützten und stärkten die Menschen. Das ist jetzt nicht möglich. Weder können wir gemeinsam Gottesdienst feiern, noch zusammen beten. Wir können uns nicht besuchen und uns mal in den Arm nehmen. Alles das, was uns normalerweise aufrecht hält in Krisenzeiten, das ist uns untersagt. Wir verstehen es vielleicht, aber es fühlt sich schlimm an. Denn wir wiss n doch, dass wir Menschen Berührung und Gemeinschaft brauchen. Wir sehen das an der Geschichte von Jesus und dem Aussätzigen. Es ist eines der ersten Wunder, die Jesus laut dem Markusevangelium tut.

Markus 1,40-42

40 Und es kam zu  ihm ein Aussätziger, der bat ihn, kniete nieder und sprach zu ihm: Willst du, so kannst du mich reinigen. 41 Und es jammerte ihn, und er streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach zu ihm: Ich will's tun; sei rein! 42 Und alsbald wich der Aussatz von ihm, und er wurde rein.

Aussatz, das war das Corona von damals. Denn es gab ja sch n immer ansteckende Krankheiten, die den Menschen große Angst machten. Allerdings war die medizinische Versorgung natürlich viel schlechter. Das Problem

überfüllter Intensivstationen gab es nicht. Wer krank wurde, überlebte es oder starb. Und die Familie war bei den Kranken und umsorgte sie, bis das eine oder das andere eintrat. Allerdings gab es eine Ausnahme: Aussatz, oder Lepra, wie wir heute sagen. Wer diese Krankheit bekam, wusste: Es gibt nur eine sehr geringe Chance, sie zu überleben. Die Erkrankten wurden sofort isoliert. Sie lebten in abgeschirmten Gruppen außerhalb der Städte und Dörfer. Wenn sie irgendwohin kamen um sich mit Essen zu versorgen,  oder wenn sie auf einem Spaziergang aus Versehen Menschen begegneten – dann mussten sie durch lautes Rasseln und Rufen auf sich aufmerksam machen, damit alle das Weite suchen konnten. Diese Menschen besuchte niemand. Niemand berührte sie. Niemand fragte mehr nach ihnen. Wer Aussatz bekam, war so gut wie tot. So hatten diese Menschen nur die paar anderen Kranken, die um sie herum waren und ihr Leid teilten.
Wir erleben gerade, wie es sich anfühlt, von den Menschen, die man normalerweise täglich sieht, getrennt zu sein: Arbeit im Home Office, keine Gottesdienste, keine Schule, keine Kitas, keine Sportkurse oder Musikunterricht – nichts von all dem, was wir normalerweise tun.

Das ist für uns alle schwer.Und es kann noch schlimmer kommen: In Italien dürfen die Menschen die Sterbenden nicht mehr besuchen.

Wie weit wird es bei uns noch gehen? Wir wissen es nicht.
Aber Gott hat durch Jesus gezeigt, was hilft: Als der Aussätzige Mann in der Geschichte zu Jesus kommt, weicht Jesus nicht zurück, so wie es sonst alle taten. Der Mann kniet sich vor Jesus nieder und bittet um Heilung. Und Jesus fühlt mit diesem Mann. Er hat nicht bloß Mitleid, er empfindet den Schmerz dieses Mannes. Den Schmerz über die Ausgrenzung. Die Angst vor dem Tod. Das Leid der Jahre in Einsamkeit. Die Sehnsucht nach Berührung. Jesus wird innerlich berührt von diesem Menschen. Er sieht, wie sehr er leidet. Und dann tut er das Unfassbare: Er berührt ihn! Das hätte zu dieser Zeit sonst niemand getan, der bei Verstand war. Niemand wollte der nächste sein, der wegen dieser Krankheit isoliert wurde. Doch Jesus tut es. Er berührt diesen Menschen, den so lange niemand mehr angefasst hat. Er schenkt ihm Mitgefühl. Er schenkt ihm Liebe. Der Mann wird gesund. Und wir? Wir sind wahrscheinlich nicht wie Jesus. Aber Mitgefühl und Liebe und Zuwendung können auch wir anderen schenken. Auch in unserer ganz “normalen”, menschlichen Berührung steckt Heilung. Wenn meine Kinder krank sind, lasse ich sie ja auch nicht allein in ihrem Zimmer liegen und gehe nur mit Mundschutz rein. Nein, ich nehme sie in den Arm, küsse und drücke sie, flüstere ihnen ins Ohr, dass sie bald gesund sein werden und wie sehr ich sie liebe. Und ich weiß, das ist das Beste.
Diese direkte Nähe können wir uns im Moment nicht geben. Die Regierung hat verantwortlich gehandelt und Kontakte verboten. Und sicher ist das erstmal der beste Weg, weil wir dann die Keime nicht großflächig verteilen. Darum ist es wichtig, das ernst zu nehmen und zu Hause zu bleiben. Wir können uns ja auch nahe sein über Telefon und Internet und miteinander in Kontakt bleiben.
Wir können uns gegenseitig ermutigen und uns so nahe kommen, wie es eben gefahrlos möglich ist. Denn auch in Worten der Zuwendung liegt Nähe. In Zeit, die wir einander schenken. In liebevollen Gesten, wie einem Blümchen vor der Tür. In der Gemeinde sind wir untereinander und mit Gott weiterhin verbunden, auch in Zeiten wie diesen

Aber was, wenn man jetzt krank wird. Was, wenn man allein ist? Was ist, wenn wir isoliert werden? Dann ist Jesus bei uns. Jesus macht es uns vor. Jesus zeigt uns den Weg. Jesus überwindet alle Grenzen und Hygieneschleusen. Jesus wendet sich uns zu und rührt uns an, wie er den Aussätzigen angerührt hat. So wie ich meine Kinder in den Arm nehme und tröste, so tut es Jesus mit uns. Ganz sicher.

Lassen Sie uns beten.

Fürbitte

Du Christus,du kommst durch verschlossene Türen und durch steinerne Mauern
und du führst uns durch das, was uns unüberwindbar erscheint.
Wir bitten dich heute für alle, die sich fürchten vor dem, was jetzt kommt:
sei du in ihnen – schenke Vertrauen, schenke Einsicht, schenke Ergebung.
Beruhige die Besorgten.
Wir bitten dich für alle, die krank sind und krank werden:
Neige dich zu ihnen, Christus,
wenn es geht, dann schenke Heilung.
Wenn nicht, dann segne die Sterbenden.
Lass uns leben aus deiner Kraft,
und wenn es sein muss, lass uns sterben in deiner Kraft.
Christus, dein Licht ist unser Trost.
Deshalb: Hilf den Gequälten,
schenke dein Erbarmen den Leidenden.
stärke die Müden.
Sei mit allen, die nun besonders gefordert sind:
Schwestern, Pfleger, Ärzte und Ärztinnen,
alle, die die Ordnung und Versorgung aufrecht erhalten,
alle, die sich um andere kümmern und für ihre Mitmenschen sorgen.
Im Vertrauen auf dich, Christus, leben wir jetzt und immerdar
und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Vater unser…
 

Segen

Keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: da ist niemand, der mich trägt.
Und keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: da ist niemand, der mich schützt.
Und keinen Tag soll es geben, an dem du sagen musst: da ist niemand, der mich liebt.
Denn der HERR segnet dich und behütet dich.
Der HERR lässt sein Angesicht leuchten über dir und ist dir gnädig;
Der HERR wendet dir sein Angesicht zu und schenkt dir Frieden.

Amen

 

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