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Evangelische Kirchengemeinde Werden

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In unserer Kirche: Brandglocke aus dem Jahr 1632

Brandglocke von 1632 kehrt nach Werden zurück
               Ein Beitrag im Gemeindebrief Nr. 427 (Dez. 1999)  von Gisela Hein-Huffmann †

Als mein Mann und ich mit unserem ersten Kind im Jahre 1930 in das Haus, dass mein Großvater Robert Huffmann 1873 erbaut hatte, einzogen, besahen wir das Haus und das Stallgebäude bis in die letzten Ecken.

Auf dem Boden über dem Stall hing – im Glockenstuhl – eine kleine Glocke mit der Inschrift: “AVE MARIA 1632“. Wie mochte diese Glocke wohl dorthin gekommen sein?

1938 zogen wir auf unseren neu erbauten Hof im Sauerland, der einsam in einem uralten Tal lag. Die Glocke hing nun, gut geschützt, unter dem Scheunendach. Sie läutete zu besonderen Ereignissen: Zur Feier des Erntedankfestes, zum 1. Mai, unserer “Erntebitte“ oder Ostern zum Treffen an unserem Osterfeuer. Im Krieg läuteten wir, wenn Fliegeralarm gegeben wurde, denn bis zu uns drangen kaum die üblichen Warnsignale. Auch einige Hochzeiten hat ihr Klang verschönt

Nach dem Krieg mussten wir den Hof verkaufen und verlassen. Vieles konnten wir nicht mitnehmen und wieder zurück nach Werden bringen. Aber die geliebte Glocke kam mit, kam nach Werden zurück. Und wieder fragten wir uns: Wie ist die Glocke eigentlich zu uns gekommen?

Inzwischen glaube ich, endlich die Lösung gefunden zu haben: Die Glocke war einst die Brandglocke! Sie hing ursprünglich im Türmchen der ersten evangelischen Kirche Werdens, später wohl in der evangelischen Nachfolgekirche (jetziges “Haus Fuhr“). In dieser Kirche konnten die vom preußischen König gestifteten neuen Glocken nicht aufgehängt werden. Sie waren zu schwer!

Als im Jahre 1900 die heute evangelische Kirche erbaut war, hatte die neuen Glocken eine würdige Heimstatt gefunden; allerdings nicht für lange Zeit, denn sie wurden im 1. Weltkrieg eingeschmolzen und später ersetzt. Aber was geschah mit der alten kleinen Brandglocke?

Als die Feuerwehr von meinem Großvater Albert Huffmann gegründet wurde, gab es den tüchtigen Signalbläser Clemens Lukas, der das Zeichen bei Brandgefahr blies. Der was unverwechselbar und paßte zum militärischen Drill, der bei Brandbekämpfungsmaßnahmen nötig und üblich war.

Und die Brandglocke? Sie erübrigte sich. Ich denke, der Kutscher hat ihr den Platz unter dem Dach des Pferdestalls gegeben: geschützt und vergessen.

Es wäre schön, wenn im heutigen so wohltuenden Frieden unter den beiden Werdener Konfessionen diese Marien-/Brandglocke mit ihrem Klang diese friedliche Zeit begleiten würde! Die Glocke soll nicht in einem Museumseck stehen, da wäre sie bei mir besser aufgehoben.

Sie soll klingen, Frieden sei immer ihr Geläute!

Essen-Werden, 27. Juli 1999                Gisela Hein-Huffmann †

Text entnommen unserem Gemeindebrief Nr. 427 Dez.99/Jan.2000                                                (bearbeitet und Fotos von Harald Müller)

 

Diese Glocke hat einen Ehrenplatz in der Evangelischen Kirche der Kirchengemeinde Werden in der Nähe des Altars:
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Fotos: Harald Müller

Sie wird zu ganz besonderen Anlässen geläutet, zum Beispiel beim Ludgerusfest bei der "Umtragung der Gebeine des heiligen Liudger",
bei der Statio vor der Evangelischen Kirche der Kirchengemeinde Werden (siehe Fotos unten).
Die Umtragung der Gebeine geht auf ein Gelübde zur Bewahrung vor einer Hungersnot zurück -  jeweils am ersten Sonntag im September,
seit dem Jahr 1128.
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Fotos: Harald Müller