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Konzertveranstaltung des Fördervereins Evangelische Kirche Werden

am 25. September 2016 in Haus Fuhr

Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy und Wolfgang Amadeus Mozart.

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Fotos:
Bodo Besselmann

Kleine Nachlese zu einem Klavierkonzert mit hochkarätiger Besetzung
aus der Sicht eines begeisterten Teilnehmers

Prof. Till Engel von der Folkwang Universität der Künste und die Amerikanerin Prof. Nina Tichman von der Hochschule für Musik in Köln musizierten am 25. September 2016 zusammen mit dem Collegium Musicale Essen unter Leitung von Joachim Galemann im Felix Mendelssohn Bartholdy-Saal in Haus Fuhr.

Bereits die dem Namensgeber des Saals geschuldeten Eröffnungsstücke ließen erahnen, dass es ein besonderer Abend werden würde:

Till Engel spielte zu Beginn drei Miniaturen aus den Liedern ohne Worte von Mendelssohn Bartholdy, u.a. den sogenannten “Trauermarsch” und das sehr bekannte “Frühlingslied”. Schon mit dem ersten Lied aus op. 53 zeigte Engel, welche dynamischen Abstufungen er seinem Instrument zu entlocken vermag. Einfach beeindruckend vor allem sein pianissimo, welches beinahe unhörbar das erste der Lieder beendete.

Die Variations sérieuses op. 54 von Mendelssohn bilden ein Schwergewicht im Schaffen des Komponisten. Anders als viele Zeitgenossen zeigt Mendelssohn hier die ganze Bandbreite von Variationsmöglichkeiten, die von choralartigen Teilen (Thema, Dur-Variation) bis zu kontrapunktischen Variationen reichen, daneben aber auch sehr leise Passagen Variationen von äußerster Extrovertiertheit gegenüberstellen. Till  Engel zog das Publikum mit seiner intelligenten Spielweise in seinen Bann: seine Spieltechnik dient niemals einfachen Effekten, sondern steht im Dienst der einzelnen Charaktere. Und so werden leise Stellen zu intimen Bekenntnissen, virtuose Passagen zu eruptiven Gegenpositionen. Sein transparentes Spiel beeindruckt die Zuhörer und lässt die Strukturen hervortreten.

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Mit seinem Klavierkonzert B-Dur K 450 hat Mozart Neuland betreten: Die Bläser erhalten einzeln und als Gruppe thematische Aufgaben in einem bis dahin nicht gekannten Maß, und das wird mit den ersten Tönen klar, denn das Quartett aus zwei Oboen und zwei Fagotten eröffnet das erste Thema, das anschließend von den Streichern vervollständigt wird. Drei miteinander korrespondierende Gruppen, das Soloklavier, die Bläser und die Streicher, wetteifern miteinander – und genau das war auch kennzeichnend für das Musizieren in Haus Fuhr. Nina Tichman sah und hörte man ihre Spielfreude in jedem Augenblick an. Verstärkt durch den ständigen Blickkontakt zwischen Solistin und Orchester entstand ein echter Dialog zwischen der Solistin und der kammermusikalischen Besetzung des Collegium Musicale.  Der gebannte Zuhörer konnte heraushören, dass Solistin und Orchester dieses gemeinsame Spiel in allen Facetten selbst genossen.

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Wie man von Mitgliedern des Orchesters hörte, zitierte Nina Tichman im Rahmen der Proben den großen österreichischen Komponisten, Interpreten und Klavierpädagogen Arthur Schnabel (gest. 1951), der das gemeinsame Musizieren von Profis und Amateuren hervorhob. Dieser Ritterschlag galt dem Laienorchester Collegium Musicale, über dessen Kombination aus Ernsthaftigkeit und Freude an der Musik sich auch die Solistin ersichtlich freute.

Im abschließenden Doppelkonzert Es-Dur KV 365 setzte sich dieser Eindruck fort: Engel und Tichman spielten auf zwei Klavieren, als wäre es ein einziges. Die Sätze wurden von den Musikern kontrastreich herausgearbeitet – so wurde der innerliche langsame zweite Satz dem lebhaften, humorvollen und energiegeladenen Finalsatz deutlich gegenübergestellt.  Mozarts schalkhafter Witz war nicht zu überhören! Faszinierend, den beiden Interpreten zuzuhören und  zuzusehen: Die  Verständigung der beiden untereinander, wie auch mit dem Orchester, war fesselnd, so dass ein Zuhörer  später äußerte, er habe bislang nicht gewusst, wie sprechend Kommunikation auch ohne Worte sein kann. Das schafft eben die Musik, und so schließt sich der Kreis zu den "Liedern ohne Worte" zu Beginn dieses großartigen Konzertes.